Einblicke in die häusliche Seniorenbetreuung

Herr Müller wohnt zusammen mit seiner Frau in München Ottobrunn. Bedingt durch einen Schlaganfall wurde seine Frau Anfang des Jahres notfallmässig in ein nahe gelegenes Krankenhaus eingeliefert. Zuvor führte das seit fast 40 Jahren verheiratete Ehepaar ein zufriedenes und gesundes Leben. Nordic Walking und Wassergymnastik im nahe gelegenen Schwimmbad gehörten zu Ihrem wöchentlichen Fitness Programm.

Der Schlaganfall kam sehr unerwartet und plötzlich. Frau Müller verbrachte nach einem 2 wöchigen Krankenhausaufenthalt weitere 4 Wochen in einem ambulanten Rehabilitationszentrum. Die anfangs stark ausgeprägten Sprachstörungen haben sich in dieser Zeit auch durch intensives logopädisches Training fast ganz gelegt. Was weiterhin Schwierigkeiten bereitet, sind motorische Störungen im rechten Bein und Arm. Seit dem Schlaganfall ist eine Fortbewegung nur mit einem Rollator und Unterstützung möglich. Weitere Strecken werden mit dem Rollstuhl zurückgelegt.
Frau Müller wird in dieser Lebenslage liebevoll von Ihrem Mann umsorgt. Ihr 8 Jahre ältere Ehemann übernimmt seit dem Schlaganfall alle im Haushalt anfallenden Aufgaben und unterstütz seine Frau zusätzlich bei der Bewältigung des Alltags. Zudem bekommt Frau Müller zwei mal die Woche  Krankengymnastik.

Trotz dem guten Zusammenhalt der beiden über 80 jährigen Senioren ist die Bewältigung des Alltags zu einem Kraftakt geworden. Nachbarn und Angehörige helfen wo sie können. Die in Köln lebende Tochter von Frau Müller kommt so oft es geht am Wochenende vorbei um Ihre Mutter zu unterstützen. Da sie selbst Mutter zweier Kinder ist, ist eine zusätzliche Versorgung der Mutter im 600 Km entfernten München eine große Herausforderung.

Seit dem Schlaganfall vor 6 Monaten hat sich viel im Hause Müller geändert. Ein zusätzlicher Treppenlift wurde eingebaut, Haltegriffe wurden an den Wänden installiert und der gesundheitliche Zustand von Frau Müller hat sich mittlerweile verbessert. Trotz den vielen Hilfestellungen und unterstützenden Maßnahmen ist Herr Müller jedoch konstant überfordert. Herrn Müller selbst steht eine kleine Operation am Schultergelenk bevor. Eine weitere Betreuung der noch im Rollstuhl sitzenden Ehefrau wird alleine nicht mehr möglich sein.

Über eine Nachbarin hat Frau Müller von einer häuslichen Betreuung durch Pflegepersonal aus Osteuropa gehört. In der Nachbarschaft gibt es zwei Anwohner, die von einer Pflegerin aus Polen betreut werden. Frau Müller beginnt sich zu informieren und stellt fest, dass es auch für sie und ihren Mann eine gute Lösung wäre.

Knapp 3 Wochen später reist Jolanta aus Warschau an. Jolanta ist eine 38 jährige Pflegehilfe, die in Polen eine Ausbildung zur Pflegehelferin gemacht hat. Sie hat eine lange Busfahrt hinter sich und ist erstmal froh in München angekommen zu sein. Auf den ersten Blick ist man sich gleich sympathisch und lernt sich bei einem Glas Tee auf der Terrasse kennen. Frau Müller zeigt Jolanta ihr Zimmer, welches sich im Erdgeschoss des Hauses befindet. Frau Müller stellt gleich fest, dass Jolanta den Rollstuhl sehr behutsam und vorsichtig schiebt und fühlt sich gleich sicher in den Händen der Pflegehilfe. Herr Müller weist Jolanta in den Umgang mit dem Treppenlift und mit anderen Hilfsmitteln ein und zeigt ihr das ganze Haus. Schnell entsteht eine Sympathie auf beiden Seiten.

Jolanta wird nun 3 Monate vor Ort bleiben und wir dann durch eine Kollegin aus Polen abgelöst. Voraussichtlich wird die Kollegin nur 2 Monate bleiben und Jolanta kann dann wieder kommen.

Mittlerweile hat sich Jolanta sehr gut in den Haushalt eingelebt. Es werden deutsche und polnische Rezepte ausgetauscht und Abends werden gemeinsam Brettspiele gespielt. Jolanta nutzt Ihre freie Zeit gerne um in dem nahe gelegenen Park  joggen zu gehen. Frau Müller unterstützt sie täglich bei der Grundpflege und beim An- und Auskleiden. Besorgungen erledigt sie meist mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Wenn das Ehepaar Müller abends einmal alleine sein möchte, kommuniziert Sie gerne über das Internet mit Ihren Angehörigen in Polen. In der Nachbarschaft hat sie auch Kontakt mit den anderen Pflegekräften aus Polen aufgenommen.

Wie lange Familie Müller noch auf die Hilfe von Jolanta angewiesen ist, ist noch unklar. Fakt ist, dass sich Familie Müller im Moment ein Leben ohne die liebevolle Unterstützung von Jolanta nicht mehr vorstellen kann.

 

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